KZ-Gedenktafel entfernt weil angeblich „geschäftsschädigend“

Eine Gedenktafel an einem früheren KZ soll angeblich geschäftsschädigend sein, das findet offenbar eine Hamburger Immobilienfirma, via Twitter @LizasWelt, (siehe Update* unten):

Schämen Sie sich nicht?
Unfassbarer Streit um Info-Schilder / Kulturbehörde ist empört

Wer sich dazu herablässt, die Erinnerung an die Opfer zu verdunkeln“, so Elie Wiesel, Holocaust-Überlebender und Friedensnobelpreisträger, „der tötet sie ein zweites Mal.“
Genau das ist jetzt geschehen. Vor drei Wochen waren am Gebäude des ehemaligen KZ Spaldingstraße zwei Tafeln eingeweiht worden, die an 800 KZ-Häftlinge erinnern, die dort ums Leben kamen. Ein offizieller Festakt. Schon wenige Tage später ließ der Eigentümer, die Immobilienfirma IVG, sie wieder demontieren und einem dunklen Hinterhof verstecken, der ausdrücklich nicht betreten werden darf. Die Gedenktafeln seien „geschäftsschädigend“, so lautet die Begründung. Ein Skandal.
Es geht um die so genannte „Georgsburg“, das Haus Spaldingstraße 152-162. Wer das siebenstöckige Gebäude sieht, kann sich kaum vorstellen, dass dies einmal der Vorhof zur Hölle war. Das größte Außenlager des KZ Neuengamme! 2000 Menschen waren hier eingesperrt. Viele verhungerten. Starben durch Entkräftung. Wurden ermordet.
[…]
Olaf Wunder in der Hamburger Morgenpost

  • KZ Gedenkstaette Neuengamme:
    Hamburg-Hammerbrook (Spaldingstraße)
  • Ein KZ mitten in Hamburg
    „Das Konzentrationslager in der Hamburger Spaldingstraße war lange Zeit vergessen. Gestern wurde eine Gedenktafel angebracht.“ (taz 26.10.2009)
  • Ein unbekanntes KZ mitten in Hamburg
    „… Von den Außenlagern des KZ Neuengamme war die Spaldingstraße das mit der höchsten Zahl an Opfern: 500 Tote sind nachgewiesen, die tatsächliche Zahl wird auf etwa 800 geschätzt. In den rund sieben Monaten seines Bestehens suchte es seinesgleichen, was Brutalität und Arbeitsbedingungen, Hygiene und Mangelernährung angeht. Die einzige Wasserquelle war eine Badewanne, in der auch die Pinkelbecken gereinigt werden mussten …“ (einestages.spiegel.de)

je mehr ich über das ehemalige KZ-Außenlager lese, desto wütender werde ich… *grummel* … und überhaupt, „geschäftsschädigend“, wenn dem wirklich so sein sollte (was ich persönlich nicht glaube), wäre auch das ein Skandal (was ist das denn für ein betroffener Laden, kaufen da gerne Nazis ein oder wer?)

*UPDATE:
Mal was Erfreuliches, die Gedenktafel ist laut einem Bericht der Morgenpost vom 23.11.2009 wieder umgehängt worden:

„Wir haben einen Fehler gemacht.“ Lars Flechsig, Niederlassungsleiter der Immobilienverwertungsgesellschaft (IVG), versucht gar nicht erst, drum herumzureden. „Natürlich müssen die Tafeln an der Straße hängen, wo sie jeder sieht – und nicht versteckt im Hinterhof. Was geschehen ist, tut uns leid.“

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4 Antworten to “KZ-Gedenktafel entfernt weil angeblich „geschäftsschädigend“”

  1. Brigitte Friedrich Says:

    Eine Schande, was kann man von einer Immobilienfirma verlangen?
    Wenn ihr das Gebäude gehört kann sie aber die Schilder rein juristisch gesehen denke ich entfernen. Moralisch gesehen ist das wieder etwas anderes.
    Geschäftsschädigend finde ich ist auch nur eine faule Ausrede. Rückgrat zeigen wäre nicht schlecht gewesen.

  2. Hallo,

    danke für deinen Artikel! Ich habe das Thema auch aufgegriffen. Schlimm finde ich vor allem, das die IVG ein Nazi-Vergangenheit hat:

    http://direkteaktion.over-blog.de/article-kz-gedenken-geschaftsschadigend–39845658.html

    Folgende Aktionen gegen das Verhalten der IVG fände ich gut: Hamburger können ersatzweise vor dem Haus Blumen zum Gedenken an die Nazi-Opfer niederlegen und (noch besser) regelmäßig Mahnwachen abhalten. Vielleicht merkt die IVG dann, das ein Gedenkstein doch eine unauffälligere Mahnung ist. Insbesondere, wenn Mahnwache und Presseartikel auch das Verhalten der Aktiengesellschaft zum Thema machen.

    Alle anderen können darauf hinwirken, das die IVG keine öffentlichen Aufträge mehr erhält. Schreibt insbesondere natürlich die Parteien in Hamburg an (Adressen auf der oben verlinkten Seite).

    Allerdings muss sich das nicht auf Hamburg beschränken, denn die IVG hat auch in Berlin, Bonn, Wiesbaden, Frankfurt, Düsseldorf und München Niederlassungen. Auch dort macht Deutschlands größte Immobilienfirma ihre Geschäfte und scheffelt Millionen.

    Wem das noch nicht genug ist, der kann (neben der Presse) auch direkt an die IVG schreiben:
    IVG Asset Management GmbH
    Niederlassung Hambug
    IVG Immobilien AG
    53177 Bonn

    Natürlich ist es auch gut, diese Fakten weiter zu tragen, in sozialen Netzwerken und per E-Mail.

  3. Vielen Dank für das Aufgreifen des Themas sagt der Niklashauser und es scheint, als ob der Protest erfolgreich war, die Tafel soll wieder umgehängt werden (s.o.) :-)

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